Reis Reis Baby

Ab dem 6. Monat

Obwohl es schon spät ist, brennt die Sonne ohne Gnade vom Himmel. Dorfbewohner bleiben stehen und betrachten verwundert die schnaufende Weiße, die da am Boden kniet und Reiskörner in einen alten Eimer schaufelt.

Immer wieder wird mir ein Teller in die Hand gedrückt, damit ich meine Hände nicht benutzen muss. Schließlich habe ich noch keine Zentimeter dicke Hornhaut an den Händen. Stur wie ich bin, versuche ich trotzdem wie alle anderen mit den Händen zu arbeiten und zucke zusammen, als die Spitze Schale mir in die Hände sticht. Vielleicht doch der Teller.

Nachdem Daro immer wieder aus dem Unterricht verschwunden war um seinen Eltern zu helfen, wollte ich mir selbst mal ein Bild machen und hatte gebeten auch helfen zu dürfen. Der Reis wurde bereits seit einigen Tagen auf den Straßen auf Meter langen Tüchern ausgebreitet, um die sich Motos und gelegentlich Autos schlängeln mussten. Nun ist er trocken und muss in große Säcke gesammelt werden. Natürlich per Hand.

Nach einer Weile ist Kaffeepause. Erleichtert wische ich mir den Schweiß aus dem Gesicht.

Entsetzt sieht Daros Vater mich an und beginnt wild gestikulierend auf Daro einzureden. Daro dreht sich zu mir. „You must not touch your face or it will itch a lot. Take a good shower when you come back.“

Der hat gut reden, schließlich ist er offensichtlich immun gegen die Hitze. Doch es bleibt zum Glück keine Zeit für Diskussionen, denn schon geht die Arbeit weiter. Immerhin senkt sich die Sonne inzwischen gnädig hinter die Holzhäuser.

Da kommt eine Kuhherde auf uns zu. Alle springen auf und positionieren sich um die vollen Reissäcke wie Torrerokämpfer. „You must protect the rice from the cows!“, ruft Daro mir vom nächsten Sack aus zu. „If they try to eat it, it will fall.“ Die Kuherede rückt immer näher durch die Gasse aus Reissäcken und feindsehlig drein blickenden Dorfbewohnern. Ein Strohbündel rollt über die Straße. Nun gibt es nurnoch mich und die Kuh. Sie sieht mich an. Kommt immer näher. Meine Hand zuckt zu meinem imaginären Revolver. Da trottet das Tier gemächlich an mir vorbei, durch das Tor neben mir. Das reißt mich aus meinen Western-Fantasien. Stolz sehe ich mich um. Der Reissack steht noch. Aber alle haben schon wieder angefangen Reis in Eimer zu schaufeln. Keinen interessiert meine Heldentat.

Also gut. Dann nicht.

Als wir schließlich zum nächsten Reishaufen laufen geht im Halbdunkeln irgendwie ein Eimer verloren, also verabschiede ich mich so enttäuscht wie möglich und verspreche mehrmals auch ganz sicher ordentlich zu duschen. Und später zum Abendessen vorbei zu schauen. Aber gerne doch.

Doch als ich zwei Stunden später zurück komme ist die Familie immer noch am Arbeiten. Die Reissäcke können schließlich nicht einfach auf der Straße stehen bleiben.

Die ganze Familie packt an. Daro und sein Vater hieven einen neunzig Kilo Sack nach dem anderen auf einen klapprigen Holzwagen, sein Bruder sitzt grinsend auf dem Griff, damit der Wagen nicht vorne über kippt und navigiert. Seine Schwester leuchtet mit ihrem Handy den Weg. Vor dem Haus wird dann Anlauf genommen. Die ganze Familie sprintet auf die Torschwelle zu, bis auf die Schwester, die mit dem Licht hinterher hüpft. Gerade so schaffen sie es über den Hügel, es kracht und sie stehen schnaufend im Hof. Hier werden die Reissäcke gestapelt. Auch ich darf einmal auf dem Griff sitzen. Denn was könnte eine Weiße besser, als als Gewicht zu dienen?

Ca. 30 Reissäcke und 2700 kg später ist es endlich geschafft. Für heute. Wenn ich daran denke, wie ich es gehasst habe daheim die Spülmaschine auszuräumen schäme ich mich fast ein bisschen. Ach ja, eine Spülmaschine… Aber da gibt es schon Essen. Reis. Wer hätte das gedacht. Aber zusammen mit vielen leckeren Beilagen.

Erst gegen Zehn komme ich satt und müde nach Hause und schlafe sofort ein.

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