Im Wandel der Zeit

Vor der Abreise

Um Kambodscha zu verstehen sollte man es von Anfang an betrachten.

Trotz schlechter Quellenlage (die meißten Dinge wurden auf unhaltbarem Material festgehalten) hat Kambodscha eine vielfätige und faszinierende Geschichte vorzuweisen.

Der Legende nach entstand es, als der vertriebene Prinz Preah Thaong auf eine Insel unter einen Baum floh, unter dem er in seinem früheren Leben als Eidechse Buddha begegnete und ihn verpflegte. Unter diesem Baum verliebt er sich in eine Prinzessin und heiratet kurz darauf in Einverständnis ihres Vaters. Dieser trinkt vor Freude das Meer um die Insel aus und Krong Kampuchea entsteht.

Wie viel von dieser Geschichte wahr ist muss jeder für sich heraus finden..

Die ersten wirklichen Aufzeichnungen erzählen von einer Blütezeit des Landes, bis es im Jahr 550 vom einst unterdrückten Chenla und später durch Java erobert wurde.

Nach Jahrelanger Anarchie begann jedoch im 9. Jahrhundert die Ankor-Zeit durch die Selbstbefreiung des Landes. König Jayavarman II. vereinigte das Land und verewigte sich mit den Tempelanlagen Ankors, die noch heute auf der Nationalflagge abgebildet sind. Er gründete eine Stadt, so groß wie das heutige New York, welche im 15. Jhd. an seiner eigenen Größe, Bodenerosion und Klimawandel zugrunde ging. Das klingt doch schon sehr modern.

Nach der Ankor Zeit verlor Kambodscha nicht nur seine Machtposition, sondern auch seine hinduistische Religion. Man trat zum Buddismus über.

Im 18. Jhd. begann der düsterste Zeitabschnitt Kambodschas.

Als Streitobjekt zwischen zwei Machtzentren war es ein gefundenes Fressen für Napoleon III. der zunächst als Hilfe anreiste.

Frankreich kolonialisierte Kambodscha  mitte des 19. Jhd. und brachte es dazu einen Protektoratsvertrag zu unterschreiben.

Seit dem 2. Weltkrieg teilte es sich jedoch gezwungenermaßen die Macht mit Japan. Armut und Spannung waren die Folge. Aufstände entstanden, denen die Kolonialmächte 1954 schließlich entgültig nachgeben mussten.

Zunächst herrschte Frieden, doch der kalte Krieg machte sich auch in Kambodscha bemerkbar. Es wurde immer mehr unter Druck gesetzt Stellung zu beziehen. König Sihanouk schwankt und schwächt sich dadurch selbst.

1970 wird er geputscht und die tausendjährige Monarchie endet schlaghaft. Eine Republik will entstehen, aber was erst gefeiert wird militarisiert  sich immer mehr.

Der Vietnamkrieg bricht immer mehr über die Grenzen. Plötzlich gibt es Gewehre für Kleinkinder zu kaufen. Doch für wen schießt man überhaubt?

Das Land ist zerissen.

Rettung scheint 1972 in Sicht.

Eine Verfassung wird verkündet und Lon Nol vereint die legislative mit der exikutiven Macht. Eine gefärliche Kombination. In Phnom Penh sammeln sich die Flüchtlingsmengen.

Zeitgleich baut Pol Pot schleichend seine Macht aus.1975 marschiert er in Phnom Penh ein. – Und wird als Befreier gefeiert. Doch die Begeisterung ebbt spätestens dann ab, als die Menschen noch am selben Tag die Stadt verlassen müssen. Grundlos. Die Gesellschaft wird in ein priviligiertes Alt- und eim untergeordnetes Neuvolk geordnet. Man wird nach Alter in Arbeitslager aufgeteilt. Ungeachtet der familiären Verhältnisse, denn man lebt jetzt in Kommunen und für den kommunistischen Bauernstaat. Privateigentum, Glauben, Kultur und hohe Bildung wurden verpönt. In 4 Jahren starben über 1 Millionen Menschen an Erschöpfung, Hunger oder den falschen Feinden.

1979 nimmt Vietnam in nur wenigen Tagen Phnom Penh ein und Pol Pot wird gestürzt. Die rote Flagge bleibt, jedoch wird der Kommunismus deutlich humaner und lockerer. Den ASEAN-Staaten ist die neue Politik jedoch ein Dorn im Auge. Zwei neue Konfliktparteien entstehen im Namen des kalten Krieges. Auch der König will sich wieder politisch einbringen.

Die Rote Khmer ist jedoch nicht verschwunden, im Nordwesten kämpfen sie weiter.

Erst 1991 setzt die UNO ein und beginnt einen Friedensplan.

1993 wird gewählt. Der König siegt und es wird eine Koalition gegründet. EIne neue Verfassung leitet die konstitutionelle Monarchie wieder ein.

Der Wiederaufbau beginnt, jedoch mit weniger Enthusiasmus als 1979.

2004 dankt König Sihanouk ab. Sein Sohn ist bis heute König.

 „khöng khodj khöng khat“

Wut bringt Zerstörung, Wut bringt Verlust

– Kambodschanisches Sprichwort

Quelle: Samnang, Sam; Kulturschock Kambodscha; Reise Know-How Verlag; 2009

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